Texte-Lounge
kreative, spirituelle und schamanische Texte

Der Haselstrauch – eine innere Reise


 

Deine Blätter fühlen sich an wie grüner Samt, egal von welcher Seite ich sie anfasse. Sie schmeicheln meiner Haut wie ein Aphrodisiakum. Ihr feiner, leicht gezackter Rand ist weich, das erinnert mich an Bergrücken und Felsformationen – und ein wenig an Muscheln. Die Struktur deiner Blätter ist liebevoll aufgeplustert und es stehen geheime Codes darauf geschrieben. Ein heller Rand umgibt sie, eine Aura.

Eines deiner Blätter liegt vor mir auf dem Tisch, es ist nicht flach, sondern zärtlich gewölbt. Es neigt sich mir entgegen und ich nehme es mit all meinen Sinnen wahr. Die Unterseiten deiner Blätter sehen aus wie winzige Bäume. Die Verästelungen sind deutlich zu sehen, ein fein gewebtes Konstrukt aus Äderchen, Rillen und Furchen. Dort wo ich es abgerissen habe, ist es stark, es gibt nicht so leicht nach. Ich weiß, dass es mir nicht böse bist, dass ich es abgerissen habe, sonst würde es sich nicht so sanft anfühlen.

Die Sanftheit deiner Blätter steht im Widerspruch zu deinen Früchten, die von einer harten Schale umgeben sind. Sie brauchen diesen Schutz, bis sie stark genug und gereift sind.
Wie bringst du so etwas Wunderbares zustande? Vielleicht ist es die Biegsamkeit deiner Äste?
Sie sträuben sich nicht und tun allen Lebewesen Gutes. Diese Hingabe, das sich Nichtwehren, sind das die Gründe für deine reiche Beute, die du im Herbst ausschüttest? Weiche Schale, harter Kern?

Du darfst weich und anschmiegsam sein, deine Früchte haben Bestand, sie tragen dein Wesen. Wer sie knacken möchte, muss Kraft aufwenden. Drückt er jedoch zu arg, dann bricht und bröselt der Kern. Nur wer behutsam mit dir umgeht, erhält die unversehrten Nüsse mit all ihren Nährstoffen und Energien. Das Öl der Nüsse hilft Menschen und Tieren über den Winter.

Verwoben und verworren ist dein Blattwerk, du versteckst die Früchte gut. Ich muss dir ganz nahe sein, erst dann kann ich erkennen, dass du Nüsse trägst, meist paarweise. Dir haftet etwas Magisches an. Du schützt und zeigst den Weg zugleich. Du stehst an vielen Stellen und doch bemerke ich dich so oft nicht. Habe ich deinen Ruf bisher nicht gehört?